* Sternbilder und ihre Mythen *

 

 

1. Sternbild ‚Cassiopeia

Ein griechischer Mythos: Cassiopeia eine Königin von Äthiopien, war eine sehr schöne Frau. Da sie sehr eitel war, prahlte sie sehr oft mit ihrer Schönheit. Sie prahlte sogar damit, daß sie schöner sei als die Meerjungfrauen des Meeresgottes Poseidon. Als Poseidons Meerjungfrauen dies hörten, wurden sie sehr zornig. Die Meerjungfrauen verlangten, daß Poseidon Cassiopeia bestrafen sollte, weil sie es wagte, sich mit ihnen zu vergleichen. Poseidon stimmte dem zu. Er versetzte Cassiopeia an den Himmel, damit sie verspottet wurde. Cassiopeia kreist jede halbe Nacht um den Polarstern. Sie sitzt auf einem Stuhl, der überkopf steht. Cassiopeia muß sich mit beiden Armen daran festhalten, um nicht herunterzufallen. Diese Position am Himmel ist sehr demütigend für eine Frau, die stolz auf ihre Schönheit ist. 

 

 

2. Sternbild ‚Großer Bär’

Ein Mythos der Woodland Indianer: Im Spätfrühling wachte ein Bär von seinem langen Winterschlaf auf und verließ seine Höhle um nach Nahrung zu suchen. Drei Jäger sahen den Bären und begannen ihm nachzustellen. Genau wie der Bär waren auch die Jäger nach dem langen kalten Winter sehr hungrig. Der erste Jäger hatte einen Pfeil und einen Bogen, womit er den Bären erlegen wollte. Der zweite Jäger trug einen großen Topf, indem er den Bären kochen wollte. Der dritte Jäger folgte den anderen beiden nach. Er sammelte Holz für das große Feuer, das sie brauchen würden, um so eine große Mahlzeit kochen zu können. Den ganzen Sommer jagten die Jäger den Bären durch den Himmel. Im Herbst wurde der Bär schwächer, und der erste Jäger konnte ihn mit seinem Pfeil erlegen. Der tote Bär fiel auf den Rücken. Die Jäger aßen den Bären und ließen sein Skelett zurück. Als der Winter begann, wurde es kälter. Das Skelett des Bären war immer noch am Himmel zu sehen, aber der Lebensgeist des Bären hatte von dem Körper eines schlafenden Bären besitzergriffen. Der Bär schlief während des ganzen langen, kalten Winters. Als der Frühling wiederkam, erwachte der Bär und machte sich auf die Suche nach Futter. Aber auch er wurde von den Jägern erlegt. Sein Lebensgeist ergriff Besitz von einem anderen Bären, der in der Höhle schlief. So wiederholt es sich jedes Jahr. 

 

 

3. Sternbild ‚nördliche Krone’

Mythos der Shawnee Indianer: Eine Gruppe junger Schwestern tanzte fröhlich in einem Kreis am Himmel. Auf der Erde wurden sie von einem tapferen und zauberkundigem Jäger mit Namen "Weißer Falke" gesehen, der eine von ihnen zur Frau nehmen wollte. Weißer Falke verkleidete sich als eine Feldmaus, stieg in den Himmel auf und kroch nahe an die tanzenden Schwestern heran. Er entschied sich für die Jüngste, schnappte sie sich und nahm sie mit sich fort. Weißer Falke war sehr freundlich zu dem jungen Mädchen und sie verliebte sich sehr schnell in ihm. Obwohl sie mit ihrem Ehemann sehr glücklich war, wollte sie gerne mit ihren Schwestern im Himmel tanzen. Weißer Falke gab ihr eine magische weiße Falkenfeder, damit sie in einem silbernen Korb zwischen Himmel und Erde reisen konnte. Beobachter von der Erde sehen immer eine Lücke im Sternenkreis. Das ist der Platz, der für die jüngste Schwester reserviert war. Er wird nur besetzt, wenn sie in den Himmel aufsteigt um an dem Tanz teilzunehmen. 

 

 

4. Sternbild ‚Großer Hund’

Ein ostindischer Mythos: Vor langer Zeit verließen fünf Prinzen ihr Reich, um das Königreich des Himmels zu suchen. Sie nahmen etwas zu Essen und zu Trinken mit auf ihre Reise. Einer der Prinzen, Yudistira, nahm seinen Hund Svana mit. Yudistira war der älteste. Seine Brüder waren Sahadeva, der weiseste, der mehr gelernt hatte als alle anderen Menschen. Nakula, der schönste, berühmt für seine Anmut und Schönheit, Arjuna, der stärkste, der niemals in einem Kampf besiegt wurde, und Bhima, der lustige, der für seinen Humor und seine Liebe an Vergnüglichkeiten bekannt war. Nach einer Reise von mehreren Tagen kamen die Brüder an einem Jahrmarkt vorbei, wo Musik spielte und die Menschen feierten und tanzten. Bhima, der lustige sagte zu seinen Brüdern: "Ich werde heute hier rasten und feiern und morgen das Königreich des Himmels suchen.". Yudistira, seine Brüder und der Hund gingen ohne ihn weiter. Einige Tage später kamen die Reisenden zu einer weiten Ebene, wo eine große Armee Aufstellung bezog und ihren Feind erwartete. Als Arjuna, der stärkste, das sah, sagte er: "Ich werde heute für mein Land kämpfen und morgen das Königreich des Himmels suchen". Yudistira, seine Brüder und der Hund gingen ohne ihn weiter. Viele Tage vergingen. Die Reisenden kamen zu einem herrlichen Palast, der von einem Garten mit Blumen und Springbrunnen umgeben war. Im Garten ging eine hübsche Prinzessin mit ihren Dienern spazieren. Als sie Nakula, den schönen sah, war sie von Liebe und Sehnsucht ergriffen. Nakula brannte ebenfalls vor Liebe. Er sagte zu seinen Brüdern: "Ich werde heute hier bei der Prinzessin bleiben und morgen das Königreich des Himmels suchen." Nakula ging in den Garten und Yudistira und sein Bruder Sahadeva und der Hund reisten ohne ihn weiter. Viele Tage und Nächte später kamen die Reisenden zu einem großen Tempel, wo heilige Männer lebten. Sahadeva, der weiseste, sehnte sich danach, sich ihnen beim Beten und Studieren anzuschließen. Er sagte zu seinem Bruder Yudistira: "Ich bleibe heute hier und suche das Königreich des Himmels morgen." Sahadeva ging in den Tempel. Yudistira und Svana gingen ohne ihn weiter. Schließlich erreichte Yudistira den Berg Meru, das Tor zum Himmel. Indra, der Herr über Vergangenheit und Gegenwart, erschien vor ihm und lud ihn ein, hinaufzusteigen. Yudistira verbeugte sich tief und antwortete: "Ich würde das sehr gerne tun, wenn ich meinen Hund, Svana, mitbringen darf". "Das geht nicht", sagte Indra, "im Himmel ist kein Platz für Hunde. Verlasse ihn und tritt ein in die ewige Glückseeligkeit."

"Das kann ich nicht tun", sagte Yudistira. "Ich will keine Glückseeligkeit, bei der ich einen so lieben Begleiter zurücklassen muß"

"Du bist ohne deine vier Brüder weitergereist", sagte Indra, "Warum willst du nicht in den Himmel ohne deinen Hund eintreten?"

"Mein Herr, meine Brüder verließen mich um ihre Herzenswünsche nachzugehen. Svana hat mir sein Herz gegeben. Bevor ich auf ihn verzichte, verzichte ich lieber auf den Himmel."

"Du hast gut gesprochen", sagte Indra. "Komme herein und bringe deinen Hund mit ". So stiegen Yudistira und Svana auf in das Paradies. Als Erinnerung an die Hingabe der beiden füreinander setzte Indra das Sternbild "Großer Hund" an den Himmel, dessen Stern Sirius der hellste unter den Sternen ist.

5. Sternbild ‚Schwan und Leier’

Die Muse Kalliope schenkte dem Flussgott Oiagros in Thrakien einen Sohn namens Orpheus. Der Junge ähnelte mit seinen Löckchen sehr dem Gott Apollon. Orpheus hatte eine große musikalische Begabung. Kalliope brachte Orpheus zum Kentauren Cheiron, dem Lehrer vieler berühmter Helden. Hier nutzte Orpheus jede Gelegenheit, um mit der goldenen Leier seines Lehrers zu spielen.
Orpheus wurde der bedeutendste Sänger der Griechen. Die Lieder wurden noch zauberhafter, als er sich mit der Nymphe Eurydike vermählte. Jedoch schon kurz nach der Hochzeit trat Eurydike beim herumtollen auf eine Schlange, die ihre Giftzähne sofort in ihren Fuß schlug. Orpheus verfiel in eine tiefe Trauer, als er seine geliebte Frau tot vorfand. Er beschloss, in das Schattenreich des Hades zu gehen und ihn zu bitten, ihm Eurydike wiederzugeben.
Der Fährmann Charon wollte Orpheus trotz seiner Bitten nicht in das Schattenreich bringen. Nur die Toten seien seine Fahrgäste. Erst als Orpheus in seiner Trauer auf der goldenen Leier spielte, ruderte Charon den Sänger unbewusst ans andere Ufer. Orpheus machte sich nun auf den Weg zum Thron des Hades.
Bezaubert von Orpheus Liedern versprach Hades Eurydike freizulassen, wenn Orpheus eine Bedingung erfülle. Der Sänger sollte geführt von Hermes und gefolgt von Eurydike das Reich des Hades verlassen, jedoch ohne sich auch nur einmal umzuwenden. Würde sich Orpheus auch nur einmal umwenden, wäre seine Gemahlin auf ewig verloren.
Orpheus nahm die Bedingung an. Auf seinem langen Weg konnte er Eurydike nicht hören, da diese ja noch ein seelenloser Schatten war. Den Sänger kamen immer mehr Zweifel, ob seine Frau ihm auch wirklich folgte. Als die Strahlen des Helios bereits das Dunkel durchdrangen, wandte sich Orpheus um und sah den Schatten seiner geliebten Frau. Bevor er sie jedoch in seine Arme nehmen konnte entschwand sie wieder im Reich des Hades. Orpheus machte sich schwere Vorwürfe, da Eurydike durch seine Schuld auf immer verloren schien. Seine Lieder verstummten und er kehrte verzweifelt nach Thrakien zurück, wo er vier Jahre lang trauerte.
An einem Frühlingstag erwachte Orpheus wie aus einem tiefen Schlaf. Die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Da nahm Orpheus seine Leier und begann auf einem Hügel seine Lieder zu singen. Die Lieder hörten auch einige kikonische Frauen, die das Bacchanal feierten. Eine von ihnen, stockbetrunken, zeigte auf Orpheus und kreischte, er sei ihr Feind, der Frauenverächter. Da fielen die Frauen mit Knüppeln über Orpheus her und schlugen ihn tot. Seine Leier und seinen blutüberströmten Kopf warfen sie in das Wasser des Flusses Hehros.
Im Schattenreich begegnete Orpheus dem Schatten seiner Eurydike und nichts konnte sie nun wieder trennen. Die Götter verwandelten den unsterblichen Sänger in einen weißen Schwan und trugen ihn an den Himmel. Auch die Leier wurde von den Göttern in ein Sternbild verwandelt. Seitdem fliegt Orpheus als Schwan den Erde und somit seiner geliebten Eurydike entgegen.

 

 

6. Sternbild ‚Perseus und Pegasus’

Ein Orakel hatte geweissagt, dass Akrisios, König von Argos, durch die Hand eines Sohnes seiner Tochter Danae sterben würde. Deshalb musste sie in einem Palast tief unter der Erde leben. Trotzdem drang der Göttervater Zeus zu Danae vor. Aus dieser Vereinigung entstand Perseus. Aus Angst befahl Akrisios, Danae und den kleinen Perseus in einer Holzkiste einzuschließen und ins Meer zu werfen.
Beim Fischen wurde die Kiste auf der Insel Seriphos von Diktys gefunden. Dieser brachte die Frau mit dem Knaben zu seinem Bruder, dem König Polydektes, in dessen Palast Perseus zu einem schönen und kräftigen Jüngling heranwuchs. Polydektes wollte Danae zur Frau, wurde aber von Ihr abgewiesen. Daraufhin wollte er Danae mit Gewalt nehmen. Perseus erfuhr davon und forderte den König auf, Danae in Ruhe zu lassen. Aus Angst vor Zeus, dem Vater Perseus' fügte sich Polydektes. Statt dessen gab er nicht ohne Hintergedanken Perseus den Auftrag, ihm das Haupt der Gorgo Medusa zu bringen.
Die Gorgonen waren furchtbare Ungeheuer und wohnten an der Westgrenze der Erde. Sie hatten an Stelle von Haaren Schlangen mit nadelspitzen Zähnen. Dabei waren die Gorgonen so hässlich, dass jeder, der in ihr Antlitz schaute, sofort zu Stein erstarrte. Zeus schickte die Göttin Athene und den Götterboten Hermes zu Perseus. Athene übergab Perseus einen glänzenden Schild und Hermes übergab ihm ein Schwert, das auch härtesten Stahl durchdringen konnte. Unterwegs überlistete Perseus die Graien, Töchter des Phorkys und der Keto, die gemeinsam nur einen Zahn und ein Auge besaßen. Von Ihnen erfuhr Perseus den Weg zu den Gorgonen.
Auf seinem Weg traf Perseus auch die Nymphen. Diese schenkten ihm geflügelte Sandalen, eine Tarnkappe und einen Ranzen, der sich ausdehnte und zusammenzog, je nach dem was man hineintat. Perseus flog zu den Gorgonen, welche er schlafend antraf. Von den drei Gorgonen war nur Medusa sterblich und von ihr wollte Perseus das Haupt abschlagen. Hermes erschien in Gestalt eines Adlers und zeigte Peseus, welche der Gorgonen Medusa war. Perseus nutzte seinen Schild als Spiegel, um Medusa nicht direkt zu sehen, und schlug ihr mit seinem Schwert den Kopf ab. Er packte den Kopf in seinen Ranzen und flog, durch die Tarnkappe unsichtbar, davon. Aus dem Körper der Medusa schoß das Blut. Im selben Moment entschlüpfte auch das geflügelte Pferd Pegasus der Medusa. Perseus schnappte sich das schnelle Pferd Pegasus und entkam der Gorgoneninsel.
Als Perseus zu Polydektes zurückgekehrt war, glaubte dieser nicht, dass Perseus' Ranzen das Haupt der Medusa enthielt. Darauf hin zeigte Perseus das Haupt hoch, worauf Polydektes sofort zu Stein erstarrte. Perseus kehrte zurück nach Argos. Sein Großvater Akrisios floh aus Angst vor dem Orakel in die Berge. Eines Tages kam Akrisios als uralter Mann zu festlichen Spielen nach Argos und wurde unabsichtlich von einem Diskus tödlich getroffen, den Perseus geschleudert hatte.

 

 

7. Sternbild ‚Nördliche Wasserschlange, Rabe und Becher’

Vor langer Zeit hatte Apollon, der Gott des Lichtes, einen großen Altar hergerichtet um seinem Vater, dem Göttervater Zeus zu opfern. Gerade noch rechtzeitig bemerkte Apollon, dass Wasser für das Opfer fehlte. Er schickte daraufhin seinen silberweißen Raben mit einem goldenen Becher zu einem Gebirge um von der dortigen Quelle Wasser zu bringen.
Unterwegs kam der Rabe an einer Dattelpalme vorbei. Schon lange wollte er von den Früchten dieses Baumes kosten, jedoch waren sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif. So wartete der Rabe einige Tage. Nachdem die Datteln reif waren, machte es keinen Sinn mehr, Wasser für Apollon zu holen. So nahm der Rabe zu einer List Zuflucht. Er fing eine Wasserschlange und kehrte mit dieser zu seinem Herrn zurück.
Der Rabe erzählte Apollon, er habe kein Wasser schöpfen können, da die Wasserschlange die Quelle bewacht hatte und keinem erlaubte, dort Wasser zu holen. Apollon fiel auf diese Lüge nicht herein und verfluchte außer sich vor Zorn den Raben, der dessen Federn sich daraufhin auf ewig schwarz färbten.
Noch heute erinnern die Sternbilder Rabe, Becher und Nördliche Wasserschlange an diese Geschichte.

 

 

Gruppe 5 * Experimentelle Gestaltung SS 2005